Jetzt beginnt sie wieder, die Zeit der Nestlinge und Ästlinge. Die Vogeleltern haben alle Hände voll zu tun, um die hungrigen Mäuler zu stopfen. Häufig finden Spaziergänger einen – vermeintlich- verlassenen kleinen Vogel und nehmen ihn mit nach Hause. Um einschätzen zu können, ob der Jungvogel tatsächlich menschliche Hilfe benötigt, ist es wichtig, einen Ästling von einem Nestling unterscheiden zu können und einige weitere Dinge zu beachten.

Ein Nestling ist ein unbefiederter Jungvogel, der außerhalb des Nestes liegt. Bei Nestlingen ist es ratsam, sie aus dem Gefahrenbereich (Straße, Radweg..) zu nehmen und rasch wieder in sein elterliches Nest zurückzusetzen. Es stellt kein Problem für die weitere Akzeptanz der Elterntiere dar, wenn Sie den Nestling berühren.

Ästlinge hingegen sind voll befiederte Jungvögel. Sie sitzen am Boden, nachdem sie ihre ersten Flugversuche aus dem Nest hinter sich gebracht haben. Sie werden noch einige Tage von ihren Eltern am Boden gefüttert und machen durch laute Rufe auf sich aufmerksam. Einen unverletzten Ästling sollten Sie auf keinen Fall mitnehmen, denn nur so kann er sich auf seinen Start ins Leben vorbereiten. Sie können den Ästling eine Weile (bis zu zwei Stunden) beobachten, um sicherzustellen, dass er von den Eltern gefüttert wird. Achten Sie allerdings auf einige Meter Entfernung, um die Altvögel nicht zu stören.

Generell gilt, dass Wildtiere in Österreich geschützt sind. Jede Entnahme aus der freien Natur ist daher prinzipiell untersagt. Dies gilt auch für verwaiste Jungvögel, verletzte oder kranke Tiere.
Gesetzlich sind Sie verpflichtet, das Wildtier an Ort und Stelle zu belassen und zu beobachten.
Wenn bei einem Nestling das Nest nicht ausfindig gemacht werden kann oder ein Jungvogel offensichtlich verletzt ist, können Sie sich mit uns in Verbindung setzen. Beachten Sie allerdings, dass Sie ab dem Zeitpunkt, in dem Sie das Tier aus der Natur nehmen, dafür verantwortlich sind. Weder die Tierrettung, noch wir in der Tierklinik können Sie aus dieser Verantwortung entlassen und die Vögel aufnehmen und aufziehen. Die Aufzucht eines Wildvogels erfordert viel Sachkenntnis und Arbeit, gleichzeitig ist die Gefahr der Fehlprägung auf den Menschen groß und oft bleibt der Versuch leider erfolglos.

Die besten Überlebenschancen haben Jungvögel in der Obhut der Elterntiere. Daher möchten wir an alle appellieren: Bitte unverletzte Wildvögel nicht mit nach Hause nehmen!

Wie jedes Jahr stellen wir auch dieses Jahr wieder unseren Leitfaden zur Verfügung. Mit diesem können Sie schnell herausfinden, ob ein Vogel auf Ihre Hilfe angewiesen ist.

Für weitere Fragen und Beratungen sind wir gerne für Sie da.