Aktuell ist die Nachfrage nach Welpen größer denn je. Auf diversen Internetplattformen findet man derzeit viele Aufrufe von Menschen, die verzweifelt nach Hunde- oder Katzenbabys suchen.

Auf einen Welpen eines Züchters wartet man mitunter mehrere Monate oder gar Jahre, weshalb sich manche Menschen für die Adoption eines Hundes aus dem Ausland über eine Tierschutzorganisation/einen Verein entscheiden oder Welpen über irgendwelche Anzeigen kaufen.

Fast jeder Hundebesitzer kennt mittlerweile auch den Slogan „Adopt, don’t shop“. Mit diesem Satz soll den Leuten suggeriert werden, dass der Erwerb eines Hundes aus dem Tierschutz im Vergleich zum Kauf eines Vierbeiners beim Züchter immer die erste Wahl sein sollte.

Ziel unseres heutigen Beitrages ist es nicht, das Pro und Contra eines Hundes aus der Zucht vs. eines Hundes aus dem Tierschutz zu beurteilen. In unserem heutigen Beitrag geht es alleine darum, dass wir ein Bewusstsein für den Welpenkauf schaffen möchten.

Immer wieder kommt es vor, dass Welpen bei uns vorgestellt werden, bei denen schon der Impfpass Grund zur Sorge bietet. Wirft man einen Blick auf den Hund (dessen Entwicklungsstand) und das angebliche Geburtsdatum, kommen meist bereits die ersten Zweifel auf. Oft sind die Welpen deutlich jünger als im Pass angegeben, damit sie problemlos über die Grenze reisen dürfen.

Wenn bereits beim Geburtsdatum geflunkert wird, stellt sich natürlich die Frage, ob die restlichen Angaben des Passes korrekt sind. Hierbei sind vor allem die Impfungen sehr kritisch zu sehen. Ob die Welpen überhaupt geimpft wurden und einen ausreichenden Schutz haben ist demnach fraglich.

Vor kurzem wurde uns ein junger Havaneserwelpe vorgestellt, der erst seit kurzem bei seinem neuen Besitzer lebt. Die ersten Tage hat sich der Welpe völlig normal verhalten, zeigte nach ein paar Tagen allerdings leichten Durchfall und war etwas schlapper als die Tage zuvor. Als der Welpe dann zum Termin in unserer Klinik erschien, wurde er von uns gründlich untersucht und stationär aufgenommen. Trotz der umgehenden Behandlung hat sich der Gesundheitszustand des Hundes in den darauffolgenden Stunden stetig verschlechtert und die Verdachtsdiagnose des Tierarztes bestätigte sich wie erwartet: Parvovirose.

Bei Parvovirose handelt es sich um eine hochansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die vor allem bei Hunden aus dem Ausland auftreten. Die Ansteckung der Hunde erfolgt über den Kot von infizierten Tieren und alleine ein kurzer Kontakt reicht aus, um den Hund erkranken zu lassen. Diese hochansteckende Krankheit löst bei den Hunden Symptome wie Durchfall, Erbrechen und Lethargie aus. Was ersmal recht harmlos klingt, ist für den Hund allerdings lebensgefährlich und mit einem großen Leidensweg verbunden. Die Hunde erbrechen unentwegt und wollen/können meist keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Innerhalb von wenigen Stunden und Tagen kann sich der Gesundheitszustand dann dramatisch verschlechtern.

Schutz bietet hier ausschließlich eine Impfung. Da viele der Auslandshunde aber falsch, unvollständig oder gar nicht geimpft sind, besteht hier leider oft kein ausreichender Schutz vor der gefürchteten Krankheit. Vor allem junge Tiere die im ersten Lebensjahr erkranken sind gefährdet. Die betroffenen Hunde benötigen eine intensive, stationäre Therapie und können oft leider trotz sofortiger, intensiver Behandlung nicht mehr gerettet werden. Viele der an Parvovirose erkrankten Hunde versterben in den ersten Tagen nach Beginn der Symptome.

Leider war dies auch bei dem Havaneserwelpen der Fall. Obwohl der kleine Vierbeiner umgehend bei uns intensiv medizinisch versorgt wurde, musste er wenige Tage nach der stationären Aufnahme von seinem Leid erlöst werden.

Wir möchten mit unserem Beitrag wieder ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es in der Verantwortung der zukünftigen Tierbesitzer liegt, genau zu überprüfen, woher der Welpe stammt. Kauft man einen Hund aus dem illegalen Welpenhandel, rettet man zwar mitunter den einen Welpen, fördert aber durch die Nachfrage das Leid der Elterntiere, welche meist unter katastrophalen Bedingungen gehalten werden und erneut Welpen produzieren müssen. Ein Kauf eines solchen Hundes produziert zusätzliches Tierleid und auf den Tierbesitzer kommen aufgrund der nötigen medizinischen zusätzliche Kosten zu.

Das Hundekäufe über Online-Plattformen strikt gemieden werden müssen, sollte mittlerweile jedem klar sein. Leider gibt es aber auch sogenannte Tierschutzorganisationen und -vereine, deren Seriosität zu wünschen übrig lässt. Uns ist noch wichtig klarzustellen, dass es durchaus Organisationen und Vereine gibt, die großen Wert darauf legen, gesunde Hunde zu vermitteln und alle tierärztlichen Vorgaben einhalten. Dennoch bitten wir alle potentiellen Welpenkäufer, sich vor dem Kauf des Hundes ein genaues Bild zu verschaffen und gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen.

Für Laien ist es oft schwer, seriöse Angebote von illegalem Welpenhandel zu unterscheiden. Dennoch können einige Hinweise bereits Aufschluss darüber geben, ob es sich um potentiell kranke Welpen handeln könnte: Wird angeboten, den Welpen am Parkplatz zu übergeben oder per Transport nach Hause gebracht zu werden, sollten alle Alarmglocken läuten. Auch Welpen eines österreichischen „Züchters“ mit ausländischem Impfpass sollten Grund genug sein, die Finger von den Hunden zu lassen. Lassen Sie sich vor dem Welpenkauf immer die Papiere (Untersuchungen, Impfpass,…) zeigen und sprechen Sie möglichst mit anderen Leuten, ob es Erfahrungsberichte zur Organisation/Verein/Verkäufer gibt. Kaufen Sie bei einem „Züchter“, lassen Sie sich immer die Elterntiere und die anderen Welpen zeigen und werfen Sie einen Blick auf die Dokumente des Hundes.

Der illegale Welpenhandel kann auch von uns nicht gestoppt werden, aber wir wollen an die Leute appellieren und so künftig Tierleid verhindern. Unser Fazit: Schauen Sie so genau wie möglich hin, wenn Sie einen Welpen kaufen und lassen Sie sich vom Wort „Tierschutz“ nicht blenden.