Als Mammatumore bezeichnet man Umfangsvermehrungen (Tumore) in der Milchdrüse bzw. Gesäugeleiste des Hundes. Diese Erkrankung ist vergleichbar mit Brustkrebs beim Menschen. Bei Mammatumoren handelt es sich um die häufigste Krebsart beim Hund. Deshalb möchten wir heute aufzeigen, was es mit dieser Erkrankung auf sich hat und wie man als Tierbesitzer am besten vorsorgen kann.Vor einigen Wochen kam Julie, eine 11 Jahre alte Jack Russel Dame, mit Ihrem Frauchen zu uns in die Klinik. Der Besitzerin ist aufgefallen, dass Juli seit einiger Zeit eine Schwellung an einer Zitze hat.


Eine genaue Untersuchung mittels Probennahme durch unsere Onkologin ergab, dass es sich bei diesem Knoten unter der Haut wahrscheinlich um einen Mammatumor handelt. Knapp 50% dieser Mammatumore sind bösartig und können in umliegende Lymphknoten und Organe streuen, weshalb die Früherkennung ein sehr wichtiger Aspekt ist. Bevor eine Operation bei einem erkrankten Hund gemacht werden kann, muss abgeklärt werden, ob bereits Metastasen vorhanden sind, also ob der Krebs gestreut hat. Das bedeutet, dass unter Umständen mehrere Voruntersuchungen gemacht werden müssen, wie z.B. Blutabnahme, Röntgen, Ultraschall,… Bei Julie sind alle Untersuchungen gut ausgefallen und einer Operation stand nichts im Wege.
Bei Mammatumoren ist das Risiko relativ hoch, dass sich im verbliebenen Milchdrüsengewebe im Laufe der Zeit erneut Tumore bilden können. Aufgrund dessen wird (je nach Alter des Hundes, Anzahl der Tumoren und schwere der Erkrankung) in der Regel der gesamte Gesäugekomplex entfernt. Bei Julie befand sich der Tumor an der vorletzten Zitze auf der rechten Seite. Aufgrund der erhobenen Befunde musste dann die gesamte rechte Mammaleiste (von der ersten bis zur letzten Zitze) entfernt werden.


Wir empfehlen jedem Tierbesitzer, den entfernten Tumor histopathologisch untersuchen zu lassen. Anhand dieser Befunde kann das entnommene Gewebe genauestens beurteilt und die mögliche Therapie (chirurgische Entfernung) zielgerichtet und individuell auf den Hund angepasst werden. Viele Karzinome können (früh genug erkannt) chirurgisch entfernt werden und der Hund gilt anschließend als geheilt. Es gibt aber durchaus auch aggressive Tumore, bei denen die durchschnittliche Überlebenszeit bei knapp 2-3 Monaten liegt. Diese Erkrankung sollte also sehr ernst genommen werden.


Wie kann einem Mammatumor vorgebeugt werden?
Als Besitzer von Hündinnen ist vor allem eines relevant: Abtasten. Wir empfehlen bei Hündinnen regelmäßig die Gesäugeleiste abzutasten und bei Auffälligkeiten zeitnah den Tierarzt aufzusuchen.
Studien haben zudem gezeigt, dass eine Kastration, spätestens nach der ersten Läufigkeit, das Risiko der Entstehung von Mammatumoren im Laufe des Lebens, drastisch reduziert. Wird die Hündin nach der zweiten, vierten oder zehnten Läufigkeit kastriert, ist das Risiko höher. Zudem ist bekannt, dass manche Rassen ein höheres Risiko für Mammatumore haben. Dazu gehören beispielsweise Chihuahuas, Yorkshire Terrier, Dackel, Malteser und Cocker Spaniel.


14 Tage nach der Operation hat uns Julie zur Kontrolle und zum ziehen der Fäden besucht. Die tapfere Hündin hat sich gut von der Operation erholt. Die Befunde der histologischen Untersuchung ergaben, dass der Tumor bösartig war aber zum Glück vollständig entfernt werden konnte. Für Julie bedeutet dies, dass die verbliebene, linke Milchleiste sowie die Lymphknoten regelmäßig kontrolliert werden sollten.


Wir wünschen Julie und ihrem Frauchen nur das Beste und wünschen den beiden noch eine wunderschöne und vor allem lange gemeinsame Zeit.