SOZIALES

2021

„Veterinärprojekt Ruanda – united vets friendship group“ so nennt sich der Verein, der heuer im Frühjahr gegründet wurde. Im Vorstand sitzen der Präsident Dr. Otto Fischer aus Korneuburg, Florian Wallner, Dr. Bettina Horvarth und ich. Die Gründung eines Vereins mit Sitz in Österreich macht unser Engagement in Ruanda einfacher und transparenter.

Die Entwicklung unserer Veterinärprojekte verläuft unterschiedlich. Im Großtierbereich kämpfen wir mit der fehlenden Kultur der Bauern, einen privaten Tierarzt zu engagieren. Solange die Behandlung von Großtieren von den Amtstierärzten durchgeführt wird, bleibt es schwierig hier Fuß zu fassen. Öffentliche Aufträge für unser Labor sind ebenfalls sehr spärlich und wenn, dann auf unsere Initiative und in Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Hier wäre noch viel Luft nach oben, unsere Einrichtung in Musanze bietet eine perfekte Infrastruktur für verschiedenste wissenschaftliche Projekte, sie müsste nur genutzt werden.

Ganz anders ist die Entwicklung im Kleintierbereich. Vor allem Expats (ausländische Community) aber auch Einheimische schätzen unsere medizinische Qualität. Unsere Klinik in der Hauptstadt Kigali platzt aus allen Nähten. So haben wir uns entschlossen, ein neues Gebäude zu kaufen und dies als Tierklinik zu adaptieren. Die neue Klinik bedeutet einen Quantensprung für unseren Kleintierbereich und unser medizinisches Angebot wird noch mehr als bisher ein Alleinstellungsmerkmal sein. Was uns besonders freut: in unserer Klinik arbeite ausschließlich einheimische Tierärztinnen und Tierärzte.

Der Kauf einer Immobilie, das Eröffnen eines Bankkontos, die Vergabe von Bauaufträgen,… sind alles Tätigkeiten, die für Klinikbesitzer wie uns einfache Routine sind. In einem Land wie Ruanda stellt dies allerdings eine Herausforderung dar. Ohne den unermüdlichen Einsatz von Otto Fischer wäre dies nicht möglich gewesen.

Nicht ohne Stolz darf ich euch mitteilen, dass wir mit dem Umbau bereits begonnen haben und wir bis Februar 22 in das neue Gebäude wechseln werden. Auch wenn Corona in aller Munde ist, in Ruanda bestimmt das Virus nicht derart den Tagesrhytmus wie hier in Europa. Es besteht zwar die Verpflichtung stets eine Maske zu tragen  – Verweigerer werden für einen Tag im Stadium zur Schulung festgehalten – doch die Afrikaner akzeptieren dies, so wie vieles mit einer gewissen Gelassenheit.

Da wir coronabedingt heuer im August kein Praktikum für österreichische und ruandesische Studenten durchführen konnten, nutzten wir die Zeit um uns ganz der Ausbildung unserer Tierärzte zu widmen. Heuer wurde ich von Dr. Stefan Scharvogel begleitet. Unser Schwerpunkt lag in der Frakturversorgung beim Kleintier. Passend zu diesem Thema haben wir gleich mehrere Knochenbrüche versorgt. Am spannendsten war ein Malinois, der von einem Pavian in den Oberschenkel gebissen wurde und ein massives Weichteiltrauma und eine Splitterfraktur des proximale Femurs hatte. Wir konnten mit einer winkelstabilen Platte die Fraktur stabilisieren, die Abheilung erfolgte komplikationslos und im November konnten wir das Implantat schon wieder entfernen. Bei unserem Besuch haben wir auch die erste TPLO in Ruanda durchgeführt. Vielen Dank an die Firma Intrauma, die uns sowohl mit Implantaten als auch mit Antriebsmaschinen unterstützt hat.

Anhand dieser Fälle lässt sich erkennen auf welches Niveau wir unsere afrikanischen Tierärzte bringen möchten. Der Markt für solche Fälle ist auch in Afrika da. Das Engagement, die Freude und der Lernwillen unserer afrikanischen Tierärzte und Tierpfleger pusht uns immer wieder aufs Neue.

So haben wir derzeit in der Kleintierklinik in Kigali drei Tierärzte, vier Tierpflegerinnen, eine Köchin, ein Hausmeister angestellt. Das Team in Musanze, in dem vor allem Großtiere behandelt und Laboruntersuchungen durchgeführt werden, ist etwa nochmals so groß. In Summe sind im gesamten NVVH Team ca. 40 Personen beschäftigt. Tierärztin Helga Kleinprecht, welche die letzten drei Jahre in Ruanda war, hat ihre Tätigkeit beendet. Sie hat großartiges geleistet und unsere Mannschaft zu einem richtigen Team zusammengeschweißt. Wir wünschen Helga, die nächstes Jahr ein Kind erwartet, alles Gute für die Zukunft, vielleicht findet sie irgendwann den Weg zurück.

Es ist geplant, die frei gewordene Stelle von Helga wieder zu besetzten. Gleichzeitig suchen wir tierärztliche Experten (Internisten, Chirurgen,….) welche bereit sind, für ein paar Wochen/Monate vor Ort zu lehren. Bei Interesse wendet euch bitte an mich.

Der Umzug in die neue Klinik wird im kommenden Jahr das zentrale Thema sein. Ein Studentenpraktikum im August ist zumindest wieder geplant und vielleicht ist es möglich, bald wieder einen unserer afrikanischen Tierärzte/Tierärztinnen nach Rankweil einzuladen.

Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr.

Herzlichst  Thomas Schwarzmann

Was hat es mit der OP-Haube auf sich?

Die dem Brief beigelegte OP Haube entstand in unserer Nähwerkstatt in Rwaza, in der jährlich 40 Näherinnen ausgebildet werden.

Sollte jemand weiteren Bedarf haben oder sollte jemand unsere Projekte in irgend einer Form unterstützen wollen, so wendet euch einfach an mich.

Genauere Informationen zum Projekt findet ihr unter: Single Mothers Sewing Project – The Governors Camp

2019

Um vier Uhr Früh habe ich Valens wieder zum Zürcher Flughafen gebracht. Heute Abend wird er wieder in seiner ihm vertrauten Welt – Kigali, Rwanda landen. Hinter ihm liegen zehn anstrengende, erlebnisreiche Wochen in unserer Klinik.

Ja, es ist ein Kulturschock für einen jungen afrikanischen Tierarzt, wenn er zu uns kommt. Die ersten Autobahnen, der erste Tunnel und das unter einer Stadt (St. Gallen), das erste mal im Zug, Jahreszeiten!  – die Bäume verlieren ihre Blätter, die Tage werden kürzer und der erste Schnee fällt.

Und dennoch bin ich überzeugt, dass die gewonnenen Erfahrungen und Erlebnisse diesen ersten Schock schnell aufheben. Die zehn Wochen gaben uns viel Zeit zum diskutieren, wie unsere Welt und wie seine Welt tickt, wo die Unterschiede sind, wo die Gemeinsamkeiten. Zurück in Afrika wird Valens seine westlichen Kunden mit ihren Tieren um vieles besser verstehen können.

Valens war bereits der dritte ruandische Tierarzt der den Herbst bei uns verbracht hat. Die Begegnungen die unser Team mit unseren afrikanischen Gästen macht, will keiner von uns missen. Ganz im Gegenteil, einige aus unserer Mannschaft planen selbst nach Rwanda zu reisen, um unsere neu gewonnen Freunde wieder zu sehen.

Anna, unsere Tierpflegerin aus Laterns hat mich heuer im August in Ruanda unterstützt. Gemeinsam mit vier österreichischen und vier ruandischen Studenten gingen wir in die umliegenden Dörfer und kastrierten Hunde der einheimischen Bevölkerung. Gleichzeitig wurden die Hunde gechippt, gegen Tollwut geimpft, eine Blutabnahme wurde für weitere wissenschaftliche Zwecke genutzt. Dieser Zusammenschluss österreichischer und einheimischer Studenten ist eine enorme interkulturelle Erfahrung für alle Beteiligten.

Besonders wertschätzend war die Stippvisite unserer Rektorin Dr. Petra Winter direkt vor Ort, die das Schaffen ihrer Studenten „überprüft“ hat. Sie hat an einem Mastitis Symposion mitgewirkt, das gemeinsam von der tiermedizinischen Fakultät in Ruanda, der Veterinärmedizinischen Uni Wien und unserer Klinik in Musanze organisiert wurde.

Ein erfolgreiches Jahr für unsere Klinik in Ruanda und in Rankweil geht zu Ende. Ich freue mich schon auf das Kommende. Im August werde ich erneut die Reise nach Afrika antreten.

2017

Zu Ostern 2014 besuchten Ines und ich zum ersten Mal Ruanda. Dr. Otto Fischer hatte uns eingeladen, endlich einmal die von vielen Tierärzten unterstützten Patenkinder zu besuchen. Gemeinsam mit Doz. Norbert Kopf und seiner Frau wagten wir die Reise nach Afrika.

Das dort erlebte fesselte und ermunterte uns, es nicht nur bei einem Besuch bleiben zu lassen.

In den letzten Jahren wurden von Otto Fischer und seinem Team neben der Unterstützung für die Waisenkinder mehrere Projekte ins Leben gerufen. So wurde eine eigene Näherei, ein Job-creation Projekt mit dem Betrieb eines eigenen Restaurants und einem Souvenirladen gegründet. Eine komplett ausgestattete Tierklinik mit eigenem Labor und einer Groß- und Kleintierabteilung wurde gebaut. Ab Jänner wird in der Hauptstadt Kigali zusätzlich eine moderne Kleintierpraxis eröffnet.

Ziel ist es Menschen vor Ort zu unterstützen und ihnen das Bewusstsein zu geben, dass ihre Arbeit geschätzt wird und sie davon auch leben können. Nur wenn Menschen eine Zukunft im eigenen Land sehen, wird man verhindern, dass sie sich auf den Weg machen.

Mag eine solche Initiative noch so klein sein und nur einigen wenigen Menschen eine Perspektive geben, so ist es dennoch ein Gegenpol zu unserer populistischen Politik, die ihre Energie vor allem in den Bau von Grenzzäunen und in das möglichst friktionsfreie Abschieben von Flüchtlingen steckt.

Die Tierklinik Schwarzmann unterstützt die Projekte von Dr. Otto Fischer in dem sie sich bemüht, möglichst viel von unserem Knowhow an unsere afrikanischen Kollegen weiterzugeben. Im kommenden August werden wir unsere bereits 7. Ruandareise antreten. Zu diesem Wissenstransfer gehört auch die Ausbildung von afrikanischen Tierärzten in unserer Klinik und so hat gerade Tierarzt Dr. Bosco sein 10-wöchiges Praktikum in unserer Klinik absolviert. Er soll ab Jänner die Praxis in Kigali leiten.

Unser Afrika-Engagement bereitet uns sehr viel Freude und gibt uns die einzigartige Möglichkeit, ein Land nicht nur als Tourist zu besuchen sondern in die Kultur einzutauchen und deren Menschen kennenzulernen. Mit den Menschen vor Ort arbeiten zu dürfen ist eine wunderbare Erfahrung und ein Geschenk zugleich.

Die dem Brief beigelegte OP Haube entstand in unserer Nähwerkstatt in Rwaza, in der jährlich 40 Näherinnen ausgebildet werden. Den Stoff dazu haben wir persönlich auf dem nahegelegenen Markt erworben.