Da Meerschweinchen sehr stressanfällige und scheue Tiere sind, sollten Besitzer und Tierarzt besondere Kenntnisse über das Normalverhalten dieser Tiere haben. Mit diesem Wissen und mit einfachen Maßnahmen lässt sich Stress deutlich reduzieren, vor allem wenn ein Tierarztbesuch ansteht.


Sozialverhalten
Meerscheinchen sind hochsozial und müssen zwingend mit anderen Meerschweinchen zusammengehalten werden (paarweise oder im Optimalfall in einer Gruppe). Zwischen den einzelnen Tieren kommt es oft zu einer sehr engen Bindung. Dieser „Lieblingspartner“ wird als Bindungsmeerschweinchen bezeichnet und ist für die Tiere in stressigen Situationen eine enorme Stütze. Es reduziert den Stress der Tiere und wird als „social support“ definiert. Daher bitten wir die Besitzer, den Bindungspartner des Meerschweinchens bei einem Tierarztbesuch immer mit zu nehmen. Auch bei einem stationären Aufenthalt ist es von großem Vorteil für das kranke Tier, den Lieblingspartner dabei zu haben.


FellpflegeMeerschweinchen zeigen kein soziales Putzen (wie beispielsweise die Kaninchen). Daher wird das Streicheln, das das Putzen imitiert, von den Meerschweinchen als unangenehm empfunden. Das Heben und Hochdrücken der Schnauze beim Streicheln über den Kopf und Nacken wird oft als Aufforderung zum Weiterstreicheln fehlinterpretiert oder als lustiges Verhalten vorgeführt, ist aber ein deutliches Drohverhalten der Meerschweinchen. Auch, dass diese Tiere beim Streicheln ruhig auf dem Schoß der Besitzer sitzen bleiben, ist nicht Ausdruck des Wohlbefindens, sondern diese Tiere verfallen in eine Art Angststarre („freezing“). Aus diesen Gründen sind die Tiere als Streicheltiere (gerade für Kinder) ungeeignet.

Geruchliche Kommunikation
Meerschweinchen kommunizieren sehr stark über Gerüche. Daher sind die Tiere in einer geruchlich fremden Umgebung sehr schnell gestresst. Hilfreich ist, beim Transport zum Tierarzt immer etwas benutzte Einstreu in die Transportkiste zu legen. Gleichzeitig sollte ein Unterschlupf (z.B. das bekannte Häuschen) angeboten werden, da Meerschweinchen sich auf freien Flächen ungern aufhalten.

Schreckhaftigkeit
Meerschweinchen sind als Beutetiere generell scheue Tiere und schrecken vor allem vor Bewegungen, die von oben kommen zurück. Aus diesem Grund sollte die Transportbox oder der Transportkäfig nicht auf dem Boden im Wartezimmer abgestellt werden. Besser man platziert sie auf dem Schoß und deckt sie zusätzlich noch mit einem Handtuch ab. Dadurch kann der Stress reduziert werden, die Tiere fühlen sich deutlich wohler.


Zusammenfassung
– Sozialkontakte ermöglichen, Bindungspartner bei Transport zum Tierarzt mitnehmen
– Streicheln vermeiden, Kinder aufklären
– Benutzte Einstreu in Transportkiste mitnehmen
– Unterschlupfmöglichkeiten in Transportbox/käfig anbieten
– Transportbox im Wartezimmer der Tierarztpraxis erhöht abstellen
– Handtuch mitnehmen, um Transportbox/käfig abzudecken; kann zusätzlich als rutschfeste Unterlage für den Behandlungstisch verwendet werden